Patientensicherheit steht im Mittelpunkt

Mehr Maßnahmen für verbesserte Patientensicherheit in Klinik und Praxis hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in einer am 17. April 2014 in Kraft getretenen neuen Richtlinie beschlossen. Zu den verabschiedeten Mindeststandards gehört die Vorhaltung eines strukturierten Risikomanagements, mit dem Ziel, klinische Risiken zu identifizieren, zu bewerten sowie in einem weiteren Schritt geeignete Präventionsmaßnahmen zur Risiko­minimierung abzuleiten und umzusetzen. Damit Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit im Klinikalltag und damit bei jedem einzelnen Patienten Wirkung zeigen, gehört zu den erforderlichen Maßnahmen selbstverständlich auch die Durchführung von Schulungen der Krankenhausmitarbeiter. Mögliche Systemschwachstellen sollen über so genannte Risiko-Audits und die Einführung von Fehlermeldesystemen frühzeitig erkannt und abgestellt werden.

 

„Für die Arbeit im Kreiskrankenhaus Mechernich resultieren aus den Beschlüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses keine grundlegenden Änderungen“, erläutert Hermann Gemke, Geschäftsführer im Kreiskrankenhaus Mechernich. „Vielmehr werden durch den Beschluss des G-BA die im Kreiskrankenhaus in den vergangenen Jahren eingeschlagenen Wege zur Verbesserung der Patientensicherheit bestätigt. Das Thema Patientensicherheit steht über viele umgesetzte Einzelmaßnahmen, die im Rahmen eines strukturierten Qualitäts- und Risikomanagements zusammengeführt werden, schon lange im Mittelpunkt der Patientenversorgung.“ Bereits im Jahr 2010 hat sich das Kreiskrankenhaus an einem Forschungsprojekt des Instituts für Patientensicherheit der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn beteiligt. Unter Leitung des damaligen Institutsdirektors, Prof. Dr. Martin Schrappe, ging es um die Fragestellung, Patientensicherheitsindikatoren zur Patientenversorgung im Krankenhaus zu identifizieren. „In der Folge dieses Projektes wurde begonnen, die Grundlagen für das heutige Risikomanagement im Kreiskrankenhaus zu schaffen.“ stellt Sarah Lückenbach – Leiterin der Abteilung für Organisation und Qualitätsmanagement und in dieser Funktion auch zuständig für das Risikomanagement – dar. Klinische Risiken wurden identifiziert und in einem Risikoatlas zusammengetragen. Mögliche klinische Risiken bestehen z. B. in den Bereichen Hygiene, Schnittstellen, Arzneimitteltherapie, durch Verwechslung von Patienten oder durch Patientenstürze.

Hygienemanagement

Ein besonderer Aspekt zur Gewährleistung der Patientensicherheit ist die Etablierung eines schnittstellenübergreifenden und ständig weiter zu entwickelnden Hygienemanagements. „Hygienemanagement im Krankenhaus ist ein existenziell wichtiger Bereich und daher Chefsache. Geschäftsführung und Betriebsleitung des Krankenhauses müssen geeignete Rahmenbedingungen schaffen,“ stellt Hermann Gemke dar. „Im klinischen Alltag ist es von hoher Bedeutung, dass jeder Mitarbeiter in seinem Verantwortungs- und Aufgabenbereich zur Umsetzung exzellenter Hygiene beiträgt.“ Zentrales Element ist ein schriftliches Hygienekonzept nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts. Daneben besteht eine Vielzahl von Verfahrensbeschreibungen, mit denen die Vorgaben des Hygienekonzepts auf einzelne Aufgabenbereiche und Prozesse konkretisiert werden. Die Hygienekommission und das Hygienefachpersonal des Krankenhauses (Ärztlicher Krankenhaushygieniker, Hygienefachpfleger sowie die für die Funktionsbereiche und Stationen hygienebeauftragten Ärzte und Mitarbeiter des Pflegedienstes) arbeiten auf der Grundlage der Vorgaben der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektions­prävention (KRINKO) beim Robert-Koch-Institut eng zusammen. Regelmäßige Hygieneaudits in allen Bereichen des Krankenhauses stellen eine nachhaltige Wirkung sicher, indem die Prozesse vor Ort in der Praxis beleuchtet und mögliche daraus resultierende Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden. Das Krankenhaus nimmt an der „Aktion saubere Hände“ teil und ist kürzlich erneut mit dem Hygiene-Qualitätssiegel der Stiftung eu-Prevent ausgezeichnet worden.

Ein besonderes Augenmerk wird im Kreiskrankenhaus auf den Umgang mit multiresistenten Erregern gelegt. Jeder Patient wird im Rahmen seiner stationären Aufnahme freiwillig einem MRSA-Test unterzogen. Patienten, die einen multiresistenten Erreger tragen, können so identifiziert und in gesonderten Aufnahme- und Isolierzimmern – insbesondere in einer ausschließlich hierfür vorgesehenen Station – versorgt werden.

Team-Time-Out: Kein Schnitt ohne Check!

Das Kreiskrankenhaus Mechernich setzt in allen operativen Bereichen die Perioperative Checkliste „Team-Time-Out“ nach dem Standard der Weltgesundheitsorganisation ein. Damit ist eine besondere Sicherheitsstufe etabliert, die ein Operationsteam vor jedem Eingriff beachten muss. In mehreren Stufen werden von den an der Operation beteiligten Mitarbeitern anhand einer Checkliste

  • der Patient identifiziert,
  • die Eingriffsart und der Eingriffsort bestätigt sowie
  • die Besonderheiten des Eingriff nochmals kurz besprochen.

Dies erfolgt bereits bei Übernahme des Patienten in den OP durch die Anästhesiepflegekraft und erneut durch den Anästhesisten unmittelbar vor der Narkoseeinleitung beim noch wachen Patienten durch Befragung und parallelen Abgleich mit den vorliegenden Aufklärungsdokumenten. Vor dem ersten operativen Hautschnitt werden die besagten Punkte ein weiteres Mal - diesmal im Team mit den Kollegen der operativen Fachdisziplinen - erörtert bzw. abgesichert. Erst danach beginnt die eigentliche Operation. Diese Maßnahmen sind sehr effizient und tragen dazu bei, mögliche Verwechslungen auszuschließen. „Daher sollte es die Patienten nicht verwundern, wenn ihnen im Rahmen ihrer OP-Vorbereitung mehrfach gleiche Fragen gestellt werden,“ stellt Sarah Lückenbach klar. „Dies zeugt nicht etwa von Unkenntnis oder mangelnder Absprache der betroffenen Mitarbeiter, sondern ist so beabsichtigt und dient in besonderem Maße der Patientensicherheit.“

Patientenarmbänder

In dem arbeitsteiligen Behandlungsprozess im Krankenhaus ist es zur Erhöhung der Patientensicherheit wichtig, dass jeder Patient zu jedem Zeitpunkt der Behandlung sicher identifiziert werden kann. Daher erhalten alle Patienten des Kreiskrankenhauses im Zuge ihrer stationären Aufnahme ein Patientenarmband. Aktive und wiederkehrende Identifizierungsmaßnahmen in den Stationsabläufen (z. B. bei Medikamentengaben, Untersuchungen und Operationen) helfen, Patientenverwechslungen zu vermeiden und tragen damit wesentlich zur Erhöhung der Patientensicherheit bei. Das Armband ersetzt natürlich nicht das Gespräch mit dem Patienten. Vielmehr wird im Rahmen der Aufnahme über die Verwendung der Armbänder aufgeklärt und der Patient um sein Einverständnis gebeten. Auch in den Prozessen wird dann neben kontrollierenden Blicken auf das Patientenarmband der Patient zusätzlich auf seine Identität angesprochen. Die Patienten fühlen sich so noch sicherer, denn sie wissen, dass Informationslücken gar nicht erst entstehen.

Expertenstandards in der Pflege

Im Kreiskrankenhaus Mechernich werden Expertenstandards zur Dekubitus- und Sturzprophylaxe, zum Schmerzmanagement bei akutem Schmerz, zur Kontinenzerhaltung, zum Wundmanagement und zur Vermeidung von Mangelernährung umgesetzt. Die Bearbeitung weiter Expertenstandards ist Ziel im nächsten Jahr. Die Expertenstandards werden vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsent­wicklung in der Pflege erarbeitet und fortentwickelt. Ziel der Expertenstandards ist die Qualitätsentwicklung eines überprüfbaren Leistungs­niveaus in der Pflege. Auch in diesem Bereich ist es wichtig, dass Verfahrensregelungen kontinuierlich überprüft werden. Diese Überprüfungen liegen allen Prozessen im Rahmen des Qualitäts- und Risikomanage­ments zugrunde. Man nennt das den PDCA-Zyklus. PDCA steht für „plan, do, check, act“ und bedeutet, dass alle Verfahren zu planen sind und festzulegen ist, wie die konkrete Umsetzung erfolgen soll (plan), dann danach verfahren wird (do), die Durchführung und die Effizienz von Prozessen überprüft wird (check) und aus der Überprüfung abgeleitete Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt werden (act). Im diesem Sinne wurde im Rahmen der regelmäßigen Überprüfung der Expertenstandards aktuell das pflegerische Aufnahme­gespräch überarbeitet. Bestimmte Risikofaktoren - beispielsweise beim Sturzrisiko - werden bei der Aufnahme abgefragt und dokumentiert. Ist das Risiko erhöht, können die entsprechenden Maßnahmen, die nach den Expertenstandards regelmäßig geschult werden, ergriffen werden. So ist sicherzustellen, dass kein Patient bezüglich bestimmter Risiko­faktoren durch ein Raster fällt und der Patient, der ein Risiko bezogen auf die Inhalte der Expertenstandards hat, eine adäquate prophylaktische Versorgung durch unsere Pflegemitarbeiter im Haus erhält. Gemäß Expertenstandard ist auch die Beratung des Patienten wichtig, wie sie mit ihren persönlichen Anliegen, während des Aufenthalts oder auch danach zuhause, besser umgehen können.

Überprüfung der System-Wirksamkeit

Ein Risikomanagementsystem ist nur so gut, wie es gelingt, Risiken zu minimieren. Daher ist es erforderlich, regelmäßig die Wirksamkeit des Systems und einzelner Maßnahmen zu überprüfen. Zu Risikobereichen werden daher – z. B.- im Rahmen von Risiko-Audits – Überprüfungen durchgeführt, ob die umgesetzten Maßnahmen die komplexen Behandlungs- und Versorgungsprozesse im Sinne einer hohen Patienten­sicherheit verbessern. Daneben werden weitere Instrumente eingesetzt, die zu einer hohen Patientensicherheit beitragen sollen.

CIRS – aus „Beinahe-Fehlern“ lernen

Wer kennt im stressigen Berufsalltag nicht die Situation, in der man bemerkt „oh, da wäre beinahe etwas schief gegangen“? Diese Ereignisse können bzw. sollen durch die Mitarbeiter gemeldet werden. Das System dient dem abteilungsübergreifenden, interprofessionellen Lernen aus Beinahe-Fehlern. Durch die Analyse sollen mögliche Fehler zukünftig verhindert oder deren Auftritts­häufigkeit verringert werden. Meldesysteme für Beinahe-Fehler haben ihren Ursprung in der Fliegerei, sind aber auch in der Medizin seit vielen Jahren unter dem Begriff CIRS (Critical Incident Reporting System) bekannt. Schon seit dem 1.1.2011 gibt es im Kreiskrankenhaus die Möglichkeit, anonym und sanktionsfrei Meldungen im CIRS über das Intranet abzugeben. Sarah Lückenbach, die als QM- und Risikobeauftragte des Hauses die CIRS-Meldungen erhält, berichtet: „Wir haben bisher über 200 Meldungen erhalten, die in viele Maßnahmen mündeten. So beispielsweise die Abklärung der Abläufe rund um Leih-Instrumente, damit keine OPs verschoben müssen oder die Beseitigung von Stolperfallen durch offen liegende Kabel in Behandlungsräumen.“ Die Themen werden monatlich in einer CIRS-Arbeitsgruppe erörtert, ggf. erforderliche Maßnahmen abgeleitet und in die Umsetzung gebracht Das CIRS ist ein wichtiger Bestandteil des Risikomanagementsystems des Krankenhauses, das durch die aktive Beteiligung aller Mitarbeiter lebt.

Beschwerdemanagement

Patientensicherheit setzt auch voraus, dass die Patientenperspektive bei Prozessabläufen berücksichtigt wird. Diese Patientenperspektive vermitteln die Patienten im Rahmen der täglichen Behandlungsprozesse in vielen persönlichen Gesprächen. Und die Erkenntnisse aus diesen Gesprächen fließen in die Organisationsarbeit ein. Das Kreiskrankenhaus führt darüber hinaus regelmäßig eigene Patientenbefragungen durch und wertet zudem die Ergebnisse aus Patientenbefragungen durch Krankenkassen aus. Ein wichtiges Instrument ist auch das Beschwerdemanagement. Das Kreiskrankenhaus Mechernich verfügt über ein detailliertes Konzept zur systematischen Erfassung und Bearbeitung von Beschwerden. Die Verantwortung für den Prozess liegt bei der Geschäftsführung. „Jede Beschwerde wird ernst genommen,“ versichert Hermann Gemke. Vorrangig wird versucht, die Umstände einer Beschwerde unmittelbar in der Situation zu erfassen und eine Verbesserung herbeizuführen. Gelingt dies nicht – dafür kann es die unterschiedlichsten Gründe geben – kann eine schriftliche Beschwerde verfasst werden. Entweder der Patient oder der Angehörige selbst formuliert seine Rückmeldung oder die Mitarbeiter nehmen diese schriftlich auf. Innerhalb definierter Bearbeitungsfristen erhält der Adressat eine Eingangsbestätigung sowie nach der Bearbeitung eine Antwort von dem jeweiligen Verantwortlichen (Abteilungsleitung, Pflegedirektion oder Chefarzt/-ärztin) zu seinem Anliegen. Parallel werden die Beschwerden systematisch erfasst und ausgewertet, um ggf. grundlegende Problem- oder Fragestellungen zu erkennen und diese einer schnellen Lösung zuzuführen. So werden Beschwerden aktiv zur Verbesserung der Patientenversorgung genutzt.

DIN ISO-Zertifizierung – ein wichtiger Blick von außen

Das Qualitätsmanagementsystem des Kreiskrankenhauses Mechernich ist seit dem 10. Juli 2014 nach der DIN ISO zertifiziert. „Die DIN-Zertifizierung erfolgt aktuell auf freiwilliger Basis. Die damit verbundene regelmäßige Überprüfung unseres Qualitätsmanagementsystems durch unabhängige Fachleute, sehen wir aber als erforderlich an, um unseren hohen Qualitätsanspruch objektiv messbar zu machen“, erläutert Sarah Lückenbach, die das Projekt geleitet hat. Die Norm definiert die wesentlichen Grundprinzipien des modernen Qualitäts­managements mit strukturiertem Blick auf sinnvoll ablaufende Prozesse wie Aufnahme, Visite oder Entlassung. In einer einjährigen Vorbereitungsphase wurden viele organisatorische Abläufe und Dokumente untersucht und nun durch eine unabhängige Stelle geprüft und zertifiziert. Den Mitarbeitern des Kreiskrankenhauses haben die Prüfer dabei ein besonderes Lob ausgesprochen. Hervorgehoben wurde die hohe Präsenz und Motivation der beteiligten Mitarbeiter. In allen Bereichen sei für die Auditoren eine hohe „Qualitätsmanagement-Durchdringung“ spür- und feststellbar gewesen. „Und diese Präsenz und Motivation der Mitarbeiter des Kreiskrankenhauses“, so stellt Hermann Gemke fest, „ist eine wichtige und notwendige Voraussetzung, das hohe Niveau des Qualitäts- und Risikomanagements zu halten und so Patientensicherheit und Patienten­zufriedenheit zu erreichen.“ Der Erfolg eines Risikomanagements steht im direkten Zusammenhang mit einer effektiven Risikoerkennung. Diese wiederum hängt stark von dem Risikobewusstsein der Mitarbeiter ab. „Um Risiken zu erkennen, müssen diese zuerst wahrgenommen und weitergegeben wer­den,“ erklärt Sarah Lückenbach. Daher setzt das Kreiskrankenhaus auf umfängliche Schulungen, um die vorher genannten Maßnahmen anzuwenden und auch bei anderen wichtigen Themen wie dem Brandschutz oder dem Einsatz in Notfallsituationen sicher zu reagieren. Eine systematische Weiterentwicklung des Risikomanagements ist erklärtes Unternehmens­ziel. Daher werden sich im Jahr 2015 weitere ausgewählte risikorelevante Themen in der internen Zielplanung des Krankenhauses wiederfinden. „Der Prozess der Arzneimittelgabe wird ein Schwerpunkt sein, um die Sicherheit der Arzneimitteltherapie weiter zu optimieren“, schließt Sarah Lückenbach. 

Ansprechpartner für Presseanfragen:

Geschäftsführer
Manfred Herrmann
Geschäftsführer
Hermann Gemke



Telefon: 0 24 43 / 17 10 02
Telefax: 0 24 43 / 17 10 05

E-Mail an die Geschäftsführung